Wenn deine Welt zu klein ist - Otherland Berlin

Simon berichtet vom Worldcon: Teil 2

Geschrieben am | von Simon (0)

Bluthimmel

Foto: Bluthimmel über Spokane.

Otherlander Simon ist derzeit in den USA auf Reisen - und besucht den vom 19. bis 23. August in Spokane, Washington stattfindenden SF WorldCon 2015, auf dem unter anderem die Hugo Awards verliehen werden! In diesem zweiten Teil berichtet er vom Freitag ...

Ein kühlerer Tag brach am Freitag in Spokane an, der Himmel schien zunächst diesig-verhangen. Noch ahnte ich nicht, was mir und der SF-Fan-Crowd blühen würde, aber im Laufe des Vormittags entpuppten sich die vermeintlichen Wolken als Rauch von den in der Region erneut wütenden Waldbränden, der sich auf Spokanes Downtown herabsenkte und sie komplett einhüllte. Es war als würde man auf der falschen Seite eines Lagerfeuers sitzen, die Leute haben fleißig gehustet, bekamen rote Augen, "Hellmouth" war das Wort des Tages und selten waren Anspielungen auf Dantes Inferno mehr en vogue.

Doch man lies sich nicht beirren. Inzwischen waren rund 4400 Mitglieder eingetroffen - und gleich mein erstes Gespräch an diesem apokalyptischen Tag war äußerst entzückend, nämlich mit einem Vertreter des französischen Fandoms, der Werbung für WorldCon in France 2023 machte. Frankreich hat sich beworben, in acht Jahren die Convention auszurichten, und es wäre fantastisch, wenn das klappen würde.

Mein erstes Panel an diesem Tag war ein Gespräch zwischen George R. R. Martin und Robert Silverberg. Dabei nahm Martin, ganz der Fan, vor allem die Rolle des Interviewers ein, ohne selbst viel zu erzählen. Silverberg hat anscheinend seit 1953, dem Jahr, in dem der erste Hugo verliehen wurde, jede WorldCon besucht und hat entsprechend viel zu erzählen. Das tat er mit unglaublichem Witz und etlichen ironischen Spitzen, die nicht selten gegen seinen Gesprächspartner gerichtet waren. Es wurde viel gelacht, und ich fühlte mich fünf Viertelstunden bestens unterhalten.

Danach ging es gleich mit Marko Kloos und seiner Frau ins Davenport zum Lunch. Die Wiedersehensfreude war groß, und Marko hat mir von seinem vollen Con-Terminkalender erzählt. Ein Treffen jagte bei ihm das andere, unter anderem stand einDinner mit einem gewissen GRRM auf seinem Programm ...

Nach dem Lunch ging es in die Lobby eines anderen Hotels, wo ich mich mit Caroline Spector, einer weiteren Wild-Cards-Autorin und Schöpferin meiner Lieblingsfigur in der Reihe - Amazing Bubbles - verabredet hatte. Da an ihrem Tisch auch ein gewisser Herr Martin herumlungerte und ich ihm vorgestellt wurde, musste ich dem auch die Hand schütteln und ein paar Worte mit ihm wechseln. Caroline ist eine humorvolle, unkonventionelle Persönlichkeit, und wir haben uns bestens unterhalten.

Dann aber verabschiedete ich mich, um ein Panel mit Ken Liu zu besuchen. Seinen Roman Grace of Kings lese ich gerade mit großer Begeisterung. Thema des Panels war: Chinesische Mythen in westlicher Literatur und Fantasy. Zwar hatte die Veranstaltung mit allerlei technischen Pannen zu kämpfen, aber sie war trotzdem enorm interessant und viel zu schnell zu Ende. Anschließend konnte ich mit Ken Liu auch noch zwei Worte wechseln.

Nach kurzer Verschnaufpause ging es mit Caroline Spector und ein paar anderen Leuten zum Diner. Beim Essen kam das Thema Puppygate auf, aber niemand ließ sich davon den Appetit verderben.

Wieder in besagte Hotellobby zurück gekehrt, gab es erneut Wiedersehensfreude, denn dort trafen wir zufällig Melinda Snodgrass, die Mitherausgeberin der Wild Cards, die ich schon letztes Jahr auf der Londoner WorldCon kennengelernt hatte. Gleich darauf wurde ich Connie Willis vorgestellt und saß kurze Zeit später mit TOR-Chefredakteuerin Beth Meacham am Tisch. Und als ich nach einem Ausflug zur Bar, um Drinks zu holen, zurück komme, sitzt Kameron Hurley plötzlich auch dabei.

Und ja, Drinks, der Cocktail in der Hotellobby war nicht der erste und auch nicht der letzte des Abends, und womöglich waren meine Beiträge zu den Unterhaltungen von diesem Zeitpunkt an nicht immer die intelligentesten oder kohärentesten.

Nach einigen Unterhaltungen machte ich mich dann todesmutig noch auf zur Party der Brotherhood without Banners ins Davenport. Dabei lief mir Michael Cassutt erneut über den Weg und bot mir an, mich in seinem Auto mitzunehmen. Angesichts der verpesteten Luft war das ein Glücksfall.

Auf der Party trieben sich unglaublich nette Leute herum, und ich habe mich schon lange (seit der letzten Party im Otherland, um genau zu sein) nicht mehr so amüsiert. Weniger amüsant allerdings war die Aufnahmezeremonie in die Brotherhood für Neulinge wie mich. Der Chili-Wodka, von dem wir Adepten einen Becher exen mussten, war so widerlich, dass ich danach gleich noch einen gebraucht habe.

Über den Rest des Abends bzw. der Nacht breiten wir dann lieber mal - in Ermangelung eines Banners - den Schleier des Schweigens.

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